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Chaos Control

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Wissenskartelle - Die Idee

Geistiges Eigentum ist das Kapital des 21. Jahrhunderts. Die Entwicklung der postmodernen Gesellschaft zu einer Informationsgesellschaft und der Information zum Wirtschaftsgut einer digitalen Welt wurde seit Jahren erschöpfend ausformuliert.
Während die neue Informationsgesellschaft jedoch damit beschäftigt war, in der Informationsflut zu baden und sich an den Zugang zu Wissen jeder Art und Qualität zu gewöhnen, haben sich Mechanismen und Organisationen entwickelt, die den Traum von der Digitalen Revolution als allzu schnell wieder ausgeträumt erscheinen lassen. Der Terminus Wissenskartelle beschreibt die teilweise institutionalisierten, gut geschützten Informationskonglomerate, die auf Kosten der viel zitierten Informationsfreiheit Wissen ansammeln, verwalten und nutzen.
Die Vermarktung und Verteidigung geistigen Eigentums im Pharmabereich, der Schutz der Information als Kapital und sein Bruch durch Wirtschaftsspionage und Terrorismus oder die Beeinflussung von Wissen durch die Beeinflussung der Informationssuche durch Suchmaschinen implizieren Probleme dieser Informationskonzentrationen, die im Rahmen von Chaos Control 2006 aufgezeigt und von Experten aus Wissenschaft und Praxis diskutiert werden.

GPL 3.0 - Revolution Revisited
IT und Gender: Neue Räume für alte Möbel?
Ziel und Zelle: Terror und Spionage im Netz
Google-ization
Patente und Generika – Macht Recht krank?

GPL 3.0 - Revolution Revisited

Die General Public License (GPL) ist die Lizenz für freie Software. Trotz bestehender Alternativen hat sich die GPL zur weit verbreiteten Standardlizenz im Open-Source-Bereich entwickelt. Die derzeit gültige Version aus 1991 hat also sowohl die Digitale Revolution als auch die Entwicklung der weltweiten digitalen Netze und die Verhundertfachung der Mikroprozessorleistung unverändert überstanden. Umso bedeutender ist daher die bevorstehende Revision des Lizenz-Urgesteins. Im Jänner dieses Jahres wurde die GPL 3.0 der Öffentlichkeit vorgestellt. Angesichts der geplanten Publikation 2007 werden die aus der informationspolitischen Tendenz resultierenden Konfliktpotentiale bei Chaos Control 2006 erörtert.

IT und Gender: Neue Räume für alte Möbel?

Geschlechtergleichheit als Gewinnerin und Opfer heutiger Informationstechnologien.
Technische Neuerungen lassen sich gut über einen kulturoptimistischen Anstrich vermitteln. Zugleich geschieht es häufig, dass sie dabei für Herrschaftsprojekte vereinnahmt werden.
Dies gilt auch für die neuen Informationstechnologien: Die Verheißung, über gleichsam grenzenlose Kommunikation das Leben um eine Vielzahl neuer Wahlmöglichkeiten und Qualitäten zu bereichern, fasziniert. Und bereitwillig wird die Botschaft geglaubt, das Öffnen und Betreten der neuen Räume würde auch höhere Standards von Demokratie und Gleichheit bedeuten.

Wie glaubwürdig ist diese Botschaft, wenn es um Geschlechtergleichheit geht?
Bergen die neuen Informationstechnologien ein nennenswertes Verbesserungspotential für Geschlechtergleichheit - oder bleibt es, trotz neuer Räume, bei den alten Möbeln?



Ziel und Zelle: Terror und Spionage im Netz

Die Bedrohungen von Gesellschaft und Staat müssen nicht zwingend militärischer Natur sein. Technische Globalisierung und Vernetzung in industrialisierten Gesellschaften bieten nahezu ideale Voraussetzungen für feindliche Handlungen. Neben der klassischen Form der Terrorausübung zur Erreichung politischer Ziele sehen sich die westlichen Industrie- und Wissensgesellschaften immer mehr durch das Handeln von staatlichen Nachrichtendiensten im Interesse der Wirtschaft herausgefordert. Wissensbasen von so genannten befreundeten Staaten bleiben dabei auch nicht verschont um der eigenen nationalen Ökonomie einen Vorteil im globalen Wettbewerb zu verschaffen.

Wie kann der Gesetzgeber diesem sicherheitspolitischen Regulierungsbedarf Rechnung tragen?
Wo liegt die rechtliche Grenze zwischen innerer und äußerer Sicherheit?
Muss sie neu definiert werden oder löst sie sich auf?


Google-ization

Die Suchmaschine „Google“ hat sich innerhalb weniger Jahre zu einer informationstechnischen Institution entwickelt. Wer Inhalte in den digitalen Netzen sucht, greift dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den kalifornischen Suchdienst zurück. Symptomatisch für die Durchdringung der Alltagskultur der Informationsgesellschaft mit dem System Google ist die Aufnahme von „googeln“ in den DUDEN.
Google hat sich mittlerweile zu einem Beinahe-Medienmonopol entwickelt. Bei Suchmaschinenanfragen im deutschen Internet besitzt Google bereits einen Marktanteil von über 80 Prozent. Medienforscher betrachten aus diesem Grund die Meinungsmacht von Google mittlerweile kritisch. Google hat sich scheinbar von einem technischen Instrument zu einer Kontrolle über die Wissensbeschaffung im Internet aufgeschwungen. Durch die Zensur einzelner Suchergebnisse hat der Suchmaschinengigant gezeigt, dass auch eine Suchmaschine die Informationsbeschaffung und damit die Meinungsbildung in einer digitalen Welt kontrollieren und gestalten kann.
Problematisch scheint auch das Durchdringen anderer Bereiche durch die Suchmaschine: Google Print soll gedruckte Werke digitalisieren und für Suchen verfügbar machen, urheberrechtliche Probleme sind programmiert.

Das Panel Googelization soll sich folgenden Fragen widmen:
Google Zensur: Informationsfreiheit vs nationale Beschränkungen
Google Ergebnisse: Markt- und Meinungsveränderung durch „moderierte“ Suchergebnisse?
Google Print: "alles durchsuchbar machen" vs Urheberrechte
Google Konzern: marktbeherrschende Stellung in der Informationswirtschaft?


Patente und Generika – Macht Recht krank?

Patente garantieren der Pharmaindustrie das ausschließliche Recht auf befristete Nutzung entwickelter Arzneimittel, wodurch Dritte von der Herstellung, dem Verkauf oder dem Gebrauch dieser Erfindung mit rechtlicher Hilfe ausgeschlossen werden. Kaum noch finanzierbare staatliche Sozialversicherungssysteme müssen steigende Arzneimittelkosten tragen, da die Produktion und der Einsatz kostengünstiger Alternativen durch den Patentschutz verhindert wird.

Sind Patente rechtliche Instrumente zur Vermeidung wirtschaftlicher Konkurrenz?
Fördern sie die technologische Innovation oder begünstigen sie Monopole, welche öffentliche Interessen negieren und sich schamlos bereichen?
Sind Eingriffe in Patentrechte als legitimes Mittel geboten, um der Gesellschaft finanzierbare Medikamente in Form von Generika zukommen zu lassen?
Beeinträchtigt ein abgeschwächter Patentschutz Innovation und Forschung im Pharmabereich?

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